CDU Watch

Günther Oettinger schmäht Energiewendebefürworter als Gutmenschen

5.10.2012, 12:19 Uhr

Wie auf Welt Online zu erfahren ist, hat der EU-Energiekommissar und CDU-Politiker Günther Oettinger auf einer Veranstaltung der Europäischen Volkspartei, zu der auch die CDU gehört, seinen Unmut über die Energiewende und das große Bild der Klimapolitik ventiliert.

Es ging um den Industriestandort Europa und um die Rolle Deutschlands. Mit von der Partie war Heinrich Hiesinger, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG. Nachdem dieser bekräftigte, daß zukünftige Generationen “von uns auch Arbeitsplätze erwarten”, nahm Oettinger die Flanke dankbar an und beklagte, daß Energiepolitik

“nicht nur mit der Klima-, sondern auch mit der Industriepolitik zu verbinden”

sei. Laut Welt Online soll Oettinger eine Allianz mit jenen aufgekündigt haben, die aus Europa den grünsten Wirtschaftsraum der Erde machen wollen. Das Lamento des Herrn Oettinger ging weiter:

“Zu ehrgeizige CO2-Reduktionsziele führen zu Verlagerung von Unternehmen und damit ist Umwelt-Arbeitsplätzen und Wachstum nicht gedient”.

Man müsse endlich handeln – die Politik müsse aufhören, Klimaziele über alles zu stellen. Und damit das aufhört, hat der EU-Energiekommissar auch schon eine Lösung parat:

“Die Zahl der Gutmenschen im Europaparlament dürfe nicht so hoch bleiben”.

Ein Ausspruch von leider nicht seltener Dämlichkeit, denn rückwärtsgewandte konservative und neoliberale Politiker, können mit einer einer Zukunft, in der Strom zum größten Teil aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, meist nichts anfangen. So attackierte der Nordrhein-Westfälische CDU-Landesvorsitzende Armin Laschet die Energiewende als “ethisch überhöht” und wurde nicht müde, auch noch von “Öko-Überheblichkeit” zu sprechen.

EU-Energiekommissar und CDU-Politiker Günther Oettinger
Foto: DerFalkVonFreyburg
CC-BY-3.0
via Wikimedia Commons

Was an Ökologie so abstoßend ist, hat Laschet jedoch bis heute nicht geklärt. Aber um inhaltlichen Dialog geht es bei derlei Äußerungen auch nicht. Stattdessen dienen Einlässe wie die oben genannten dem Zweck, Menschen zu mobilisieren, die wahlweise einfältig genug oder nur schlecht genug informiert sind, um die Schmähungen weiterzuverbreiten und ein Klima zu schaffen, daß der gesellschaftlichen Akzeptanz der Energiewende im Wege steht.

Daß diese Rechnung stellenweise sogar aufgeht, lässt sich gut am Kommentarbereich des eingangs verlinkten Artikels bei Welt Online überprüfen. Nachfolgend einige Zitate, die zeigen, welche anti-intellektuelle Klientel CDU-Politiker wie Oettinger und Laschet anziehen:

Der Leser “ABC” beispielsweise schreibt:

“Hut ab vor Herrn Öttinger, das er den Eisbär streichelnden Gutmenschen und CO-Paranoikern die Meinung geigt”.

Der Leser “Langweiler” findet:

“Hier hat Oettinger recht. Aber die vielen angegrünten Sozialisten im EU-Apparat werden schon den selbstmörderischen Öko-Kurs beschützen.”

Und “Ejidomar” glaubt zu sogar zu wissen:

“Eine zunehmende Verschmutzung oder das Gefühl einer solchen ist hysterisch angeheizte Untergangspropaganda, die von gutmenschlichen Menschheitsbeseitgern initiiert wurde.”

Freilich ist Günther Oettinger kein unbeschriebenes Blatt. CDUWatch berichtete bereits einige Male über die Eskapaden des Energiekommissars, der beispielsweise den Atomausstieg über den Weg der EU auszuhebeln versuchte oder in seiner Zeit als Baden-Württembergischer Ministerpräsident Mehrkosten in Milliardenhöhe zum Immobilienprojekt Stuttgart 21 verschwieg.

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