CDU Watch

David McAllister missbraucht Presse für eigennützige Wahlkampfpropaganda

13.8.2012, 19:02 Uhr

Nachdem CDUWatch sich erst kürzlich unter dem Titel „David McAllister im Wahlkampf-Modus“ der Frage der Glaubwürdigkeit des niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten zuwandte, liefert selbiger nun einen Vorgang ab, der wohl selbst seinen treuesten Anhängern unangenehm peinlich sein muss.

Wie zahlreichen Medienberichten, darunter bei Spiegel Online, Welt Online und dem Hamburger Abendblatt zu entnehmen ist, verschickte David McAllister (bzw. der für Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Torben Stephan) an 150 niedersächsische Lokalredaktionen ein Interview mit dem Ministerpräsidenten, dessen Fragen und Antworten von der CDU selbst kamen.

Angeblich, so die anschließende Beschwichtigungsrhetorik der niedersächsischen CDU, wollte man mit dieser Aktion lediglich den unter dem Sommerloch ächzenden Lokalredaktionen ein wenig unter die Arme greifen. Und weils so schön ist, veröffentlichte man das gefälschte Interview auch gleich noch auf der Homepage der niedersächsischen CDU.

Als der Schwindel jedoch so langsam publik wurde, die Opposition in amüsiertem Gelächter ausbrach und Journalisten anfingen öffentlich das Verständnis der CDU von Journalismus zu geißeln, wurde es der CDU offenbar zu peinlich: Seitdem bemüht man sich um bestmögliche Schadensbegrenzung. Das Interview wurde von der Homepage entfernt.

Weil solch ein Vorgang natürlich nicht unentdeckt bleibt, wurde man des Interviews im Internet natürlich schnell fündig. Einige besonders erwähnenswerte Passagen werden nachfolgend widergegeben und entsprechend kommentiert.

Frage: Ist Niedersachsen unaufgeregter [als Berlin]?

Antwort McAllister: Wir halten in Niedersachsen den Ball flach. Im Berliner Politikbetrieb sind nicht alle uneitel. Bei manchen gibt es einen zu großen Drang, sich vor jede Kamera zu stellen.

Ein niedersächsischer CDU-Ministerpräsident, der mit einem gefälschten Interview 150 Lokalredaktionen zu seinem eigenen Vorteil als Plattform zur Selbstinszenierung missbrauchen will, urteilt – freilich mit einiger Distanz – über Berliner Politiker, daß sie eitel seien und sich in den Vordergrund stellen wollten. Das ist wahrlich bemerkenswert.

Frage: Welche Themen werden den Wahlkampf bestimmen?

Antwort McAllister: Es ist nicht möglich, heute schon das entscheidende Thema vorherzusagen. Große Themen werden aber auf jeden Fall sein: solide Finanzen, Arbeit und Wirtschaft, gute Bildung, innere und soziale Sicherheit, die gleichberechtigte Entwicklung von großen Städten und ländlichem Raum und der Ausbau der Infrastruktur.

Man sollte (nicht zuletzt aufgrund McAllisters Pseudointerview) das Thema „Glaubwürdigkeit der Politik im Allgemeinen und des Politikers David McAllister im Besonderen“ anfügen.

Frage: Wird die Kanzlerin nach Niedersachsen kommen?

Antwort McAllister: Die Bundeskanzlerin wird sich aktiv in den Wahlkampf einbringen. Das haben wir so vereinbart, und ich freue mich über die Unterstützung, die mir Angela Merkel zugesagt hat.

Demnach scheint der CDU-Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel der drohende Wahlverlust der niedersächsischen CDU größere Sorgen zu bereiten, als die Aufgaben, denen sie sich als Bundeskanzlerin zu aller förderst zuwenden sollte. Es wird sich zeigen, ob Frau Merkel ihr Versprechen einhalten wird. Bei der Gelegenheit sei aber an daran erinnert, daß Frau Merkel bereits der baden-württembergischen CDU bei ihrer letzten Landtagswahl durch Wahlkampfunterstützung nicht helfen konnte. Die Partei fuhr das schlechteste Ergebnis seit über fünf Jahrzehnten ein.

Frage: Werden Sie auch die sozialen Netzwerke im Internet wie Facebook und Twitter nutzen?

Antwort McAllister: Das tue ich bereits. Die sozialen Netzwerke im Internet sind eine zunehmend wichtige Kommunikationsform.

An dieser Stelle sei Herr McAllister an die durch CDUWatch an Ihn gerichtete Frage auf Abgeordnetenwatch erinnert, die seit dem 29.07.2012 unbeantwortet ist, obgleich sich inzwischen gut 20 an einer Antwort interessierte  Menschen gemeldet haben.

Wenn Herrn Mcallister die Kommunikation mit den Bürgern neuerdings so wichtig ist, könnte er seine Zeit ja genau darin investieren, statt sich selbst weiter Frage und Antwort zu stehen.

(Das gefälschte Interview ist zurzeit noch auf CelleHeute.de zu finden.)
(Medienwatch.org zum gleichen Thema.)

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