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Plagiatsvorwurf gegen Matthias Pröfrock

7.4.2011, 13:52 Uhr

Wie der Schwarzwäler Bote berichtet, soll der Vorsitzende der CDU in Stuttgart, Dr. Matthias Pröfrock, bei seiner Dissertation mit dem Titel “Energieversorgungssicherheit im Recht der Europäischen Union / Europäische Gemeinschaften” reichlich plagiiert haben.

Bis Montagabend, heißt es jetzt, habe man bei Pröfrock “Plagiate auf 57 von 222 Seiten identifiziert, somit auf 25,9 Prozent der Textseiten”.

Pröfrock kommentierte die zahlreichen Plagiate als

“vereinzelt nicht korrekt zitierte Textpassagen”.

Man beachte die Unvereinbarkeit von “vereinzelt” und “auf 57 Seiten”.

Nachtrag von 20.10 Uhr: Pikanter Weise sei an dieser Stelle noch auf Dr. Pröfrocks Kommentar zu Karl-Theodor zu Gutternbergs Plagiatsaffäre von Anfang des Jahres verwiesen, (Inhalt wurde inzwischen gelöscht. Beachten Sie den Nachtrag vom 13. April) den er am 1. März auf Facebook verfasste. Darin bekräftigt Matthias Pröfrock:

[...] Der Rücktritt war folgerichtig und konsequent. [...]

Welche Konsequenzen Dr. Pröfrock aus der Aufdeckung seiner eigenen plagiatbehafteten Dissertation ziehen wird, bleibt abzuwarten.

Nachtrag vom 13.4.2011: Pröfrocks Facebook-Kommentar im Zusammenhang mit Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation wurde inzwischen gelöscht bzw. nicht mehr für jedermann einsehbar. Um dem Verdacht entgegen zu wirken, der betreffende Teil dieses Artikels entbehre jeglicher Tatsache, nachfolgend ein Beweis-Screenshot des Kommentars:


(Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.)

Nachtrag vom 11.5.2011: Wie Tagblatt.de berichtet, wird Matthias Pröfrock seinen Doktortitel

„Aus Respekt vor der Universität Tübingen und vor dem laufenden Verfahren“

vorerst nicht führen.

Nachtrag vom 6.7.2011: Die Universität Tübingen gab soeben bekannt, Matthias Pröfrock den Doktortitel entzogen zu haben. In der Meldung heisst es:

Die Untersuchung der Dissertation hat ergeben, dass sie in nicht unerheblichem Maße fremde Texte wörtlich übernimmt, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde. Damit lag bei Verleihung des Doktorgrades keine „selbständige wissenschaftliche Arbeit“ vor, die nach § 38 Abs. 3 S. 1 LHG Voraussetzung für eine Promotion ist. Stellt sich das Fehlen der Promotionsvoraussetzungen wie im vorliegenden Fall erst nachträglich heraus, legt § 48 Abs. 1 S. 1 LVwVfG den Entzug des Doktortitels in das Ermessen des  Promotionsausschusses.

Zur Erinnerung: Noch im April kommentierte Matthias Pröfrock diesen Vorgang mit den Worten, es handele sich um

“vereinzelt nicht korrekt zitierte Textpassagen”.

So viel zur Glaubwürdigkeit von Politikern, die ihr offensichtliches Fehlverhalten auch dann noch schönreden, wenn das Ausmaß bereits für jedermann ersichtlich ist.

Nachtrag vom 6.7.2011 um 15.20 Uhr: Nach Bekanntgabe des Entzugs seines Doktortitels verkündet Matthias Pröfrock auf seiner Internetseite, daß er im Amt bleiben wird:

“Den Wählerinnen und Wählern, die mir bei der Landtagswahl das Direktmandat anvertraut haben, verspreche ich, alles daran zu setzen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. Ich werde weiter engagiert und konstruktiv für das Wohl meines Wahlkreises und seiner Bürgerinnen und Bürger arbeiten.”

Es bleibt abzuwarten, ob, und wenn ja, welche Reaktionen aus der Öffentlichkeit dies hervorrufen wird.

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