Wie ein CDU-Ratsherr seine Karriere richtete
Eine wunderbare Geschichte aus der Kategorie »Wir sortieren mal die faulen Äpfel aus unseren politischen Ämtern aus« berichtete in den vergangenen Tagen die Westfälischen Nachrichten auf ihren Internetseiten.
Ein Konditormeister aus Rheine bekommt eines Tages unerwartet Besuch von Hans Havers, einem Kontrolleur des Eichamtes – RoutineĂĽbung. Das Problem an der Sache: Der Kontrolleur Hans Havers, der gleichzeitig auch CDU-Ratsherr in Rheine ist, glaubt sich völlig ungeniert an den Backwaren des Konditormeisters bedienen zu dĂĽrfen. So lässt Hans Havers laut Anschuldigung des Konditormeisters JĂĽrgen Jankord mal eben 20 Brötchen sowie einige Brote mitgehen. Der Konditor ist empört und reicht Klage gegen das Eichamt ein. So weit der Bericht vom 4.8.2010.
Bereits einen Tag später gibt es bei den Fraktions- und Parteispitzen der CDU eine Sondersitzung, um über den Fall zu beraten.
Rheiner CDU-Vorsitzende Monika Lulay:
„Uns ist an einer zügigen Aufklärung gelegen“
während der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hermann-Josef Kohnen mit den Worten
„Das ist ein laufendes Verfahren“
vor einer Vorverurteilung warnt.
Wieder einen Tag später, am 6.8.2010 zieht der Fall größere Kreise. Plötzlich meldet sich ein weiterer Betrieb zu Wort. Otto Reckermann, seines Zeichens Fleischermeister ereilte das gleiche Schicksal:
Auch er berichtete von ähnlichen Vorfällen mit diesem Kontrolleur. Bisher aber hat der Fleischermeister geschwiegen, aus Sorge, dass ihm das Leben schwer gemacht werden könnte. Ohne zu fragen habe der Kontrolleur bei den Fleischwaren zugegriffen, betont Otto Reckermann.
Das hat Wirkung. Noch am selben Tag berichten die Westfälischen Nachrichten:
Der CDU-Ratsherr Hans Havers legt mit sofortiger Wirkung alle politischen Ämter nieder.
Nachdenklich stimmt jedoch die BegrĂĽndung:
Dies geschehe in erster Linie zum Schutz seiner Familie, aber auch um um Schaden von Partei, Fraktion und Rat abzuwenden.
Jetzt stellt sich natĂĽrlich die Frage, wer bemitleidenswerter ist. Hans Havers, gegen den zur Zeit noch ermittelt wird, oder die CDU Rheine, die zeigte, dass sie hinter ihren eigenen Leuten nicht steht und eine kurzfristige Amtsniederlegung billigt. Zumindest Hans Havers hat noch eine Chance in dieser Sache halbwegs gut wegzukommen. Dann nämlich, wenn die Untersuchung zu dem Ergebnis kommt, dass er sein Amt – entgegen der Anschuldigung – nicht missbrauchte.
Und so zeigt sich ein weiteres Mal, dass Menschen, die anderen Menschen gegenüber in einer Position sind, in der sie Macht ausüben können, diese bei entsprechender charakterlicher Veranlagung auch missbrauchen werden. Es zeigt auch, dass man bei dem kleinsten Anzeichen von Machtmissbrauch die Öffentlichkeit suchen sollte. Machtmissbrauch gedeiht immer dort, wo kein Licht hinscheint. Deswegen ist Transparenz auch so wichtig und genau deswegen sollte einen jede Partei stutzig machen, die den das Dogma propagiert, Transparenz wäre böse.