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Rückblick 2012: Die CDU auf Kriegsfuß mit Lesben und Schwulen

23.12.2012, 12:38 Uhr

Erst im August 2012 ließ der Nordrhein-Westfälische CDU-Vorsitzende Karl-Josef Laumann es richtig krachen, als er gegenüber der Rheinischen Post angesprochen auf die Gleichbehandlung von Homo- und Heteroehen zu verstehen gab:

„Ohne viele gesunde Familien gibt es letzten Endes keine Gute Gesellschaft“

und damit – wahrscheinlich unbeabsichtigt – die Maske fallen ließ.

Von dem Romanisten Victor Klemperer stammt der Ausspruch „Was jemand willentlich verbergen will, sei es vor anderen, sei es vor sich selber, auch was er unbewusst in sich trägt: Die Sprache bringt es an den Tag“.

Da war sie nun, die indirekt zur Schau gestellte Ablehnung gegenüber Schwulen und Lesben, die schon so oft zum Gesprächsgegenstand geworden war und aller Voraussicht nach auch 2013 noch das eine oder andere Mal werden wird.

Tatsächlich scheint sich auch bei den härtesten CDU-Politikern, die in Homosexualität nur eine Abart sehen, bereits herumgesprochen zu haben, daß man seine Ablehnung gegenüber Schwulen und Lesben nicht mehr wie früher offen zur Schau stellen kann. Um den eigenen Standpunkt trotzdem klar zu machen wird stattdessen eine verklausulierte Form der Ablehnungsbekundung gewählt – Karl-Josef Laumann lieferte mit seinem Einlass über „gesunde Familien“ ein schillerndes Beispiel dafür ab.

Ein krasses Beispiel für gänzlich ungefilterte Schmähung von Homosexuellen ist der Sächsische CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt aus Plauen bei Dresden. In einem öffentlichen Kommentar auf Facebook verstieg Blechschmidt sich am 27. April 2012 zu folgender Aussage:

“die bibel ist in ihrem kern sogar bis zu 5000 jahre alt und war immer in ihren aussagen topaktuell. die zeiten ändern sich aber grundlegende richtlinien für das menschliche zusammenleben ändern sich genausowenig wie naturgesetze. wenn die bibel seit 5000 jahren eindrücklich vor homosexualität warnt dann ist das auch heute noch gültig, selbst wenn einige politsch korrekte politiker das anders sehen. bitte nicht falsch verstehen – natürlich können schwule und leseben zunächst mal nichts für ihre krankheit und niemand darf sie dafür verurteilen, doch eine krankheit sollte nicht zur gesellschaftlichen normalität erhoben werden, sondern den betroffenen sollte hilfe angeboten werden …”

Zwar folgte auf Blechschmidts Äußerung eine Distanzierung vonseiten Sören Voigts von der CDU Vogtland, doch zu einer Einsicht führte das nicht. Wie das Homoportal Queer.de berichtet, wurde Blechschmidt am 17. November 2012 auf der christlichen Homoheiler-Tagung „Homosexualität verstehen“ im vogtländischen Pausa gesichtet, wo sie Zuspruch von Christl Ruth Vonholdt (der Wikipedia-Artikel zu dieser Dame ist sehr erhellend) vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft erhielt.

Christl Ruth Vonholdt, die bereits mehrfach an Gesetzgebungsprozessen für die CDU tätig war, gab auf besagter Tagung unmissverständlich zu verstehen, daß

“Homosexualität ein Symptom einer emotionalen Störung und ein Identitätskonflikt [ist]“.

Wem angesichts solcher Aussagen und der Tatsache, daß die CDU bis heute gegen die Umtriebe des Dieter Blechschmidt nichts unternommen hat, wundert, dem sei dieser CDUWatch-Artikel aus dem Jahre 2011 nahegelegt. Darin geht es um die Homofeindlichkeit der sächsischen CDU, die zwar ein Zukunftsprogramm auflegen wollte, eine grundsätzliche Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe jedoch nicht beabsichtigte – wie übrigens auch die Mehrheit der CDU-Deligierten, die auf ihrem Parteitag Ende 2012 gegen die Homoehe stimmten.

Auf Unverständnis stieß man damit nicht bloß in der Zivilgesellschaft. Selbst parteiintern donnerte es kräftig. Den vorläufigen Höhepunkt markiert der schwule CDU-Politiker Ronny Pohle, der seit dem Parteitag als ex-CDU-Politiker gilt. Pohle hatte nach dem Parteitag seinen Austritt aus der Partei erklärt.

Angesichts Parteikolleginnen, wie Veronika Bellmann (selbstverständlich aus Sachsen), die in der Debatte um die Homoehe eine Art „Werbung für das Modell der gleichgeschlechtlichen Paare“ sieht, die aus ihrer Sicht nicht unterstützenswert sei, ist der Austritt aus der CDU nur verständlich.

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