Wenn Quantität schwerer wiegt als Qualität
In einem Video mit der plakativen Aussage
“11% mehr Straftaten in 2011 (Januar – Mai im Vergleich zum selben Zeitraum 2010)”
bewirbt die Junge Union Berlin zurzeit ihre Partei für die am 18. September anstehenden Wahlen des Berliner Abgeordnetenhauses. Doch der Inhalt entpuppt sich bei Licht betrachtet als Bauernfängerei. Die betreffende Stelle findet sich bei 1:40.
Die Aussage der um 11% gestiegenen Kriminalität bezieht sich auf die von der Berliner Polizei vorgelegte Halbjahres-Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2011. Einem Bericht der Berliner Zeitung zu Folge ist es besagter Statistik nach so, daß in der Gesamtsumme die Anzahl der registrierten Fälle um zwar um 11% zugenommen hat, das Ausmaß der Gewalt hingegen sehr zur Freude der Bürger enorm abnahm. Man beachte hierzu folgendes Zitat aus der Berliner Zeitung:
“Raubüberfälle gingen um 44,6 Prozent zurück, Köperverletzungsdelikte um 11,8 Prozent, Nötigungen um 20,1 Prozent, Sachbeschädigungen über 39,1 Prozent und Sexualdelikte um 61,8 Prozent.”
Soweit also mehr als erfreuliche Daten. Nur ein Wehmutstropfen bleibt:
“Mit Ausnahme von Rauschgiftdelikten und Fahrraddiebstählen im Umfeld der Bahnhöfe fallen alle weiteren Delikte weiter ab.”
Festzuhalten bleibt, daß die wirklich bedrohlichen Kriminalitätsfälle, in denen es den Opfern an die körperliche und psychische Unversehrtheit geht, zur Freude unser aller deutlich zurückgegangen sind. Daß die Zahlen der Rauschgiftdelikte und Fahrraddiebstähle gestiegen sind, ist keinesfalls erfreulich, doch ist zumindest die Zahl der Rauschgiftdelikte letztlich wohl auch der Nichtlegalisierung von Marihuana geschuldet – einem jahrelangen Konfliktthema.
Daß die Junge Union plakative Werbung mit “11% mehr Kriminalität” macht, während die Zahlen bei Lichte betrachtet, doch eigentlich eher zu einer Aussage “Erfreuliche Erfolge bei der Bekämpfung der Kriminalität” einladen, ist als dem Wahlkampf geschuldete Bauernfängerei zu werten. Wer sowas glaubt, glaubt auch an die Mär der angeblich Jahr für Jahr weiter ansteigenden Kriminalität, mit der die Innenminister in jährlicher Regelmäßigkeit Ängste in der Bevölkerung zu schüren versuchen.
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